Am letzten Tag des Jahres 2006 hatte ich die Freude, mir eine exklusive Vorpremiere des Films “Mein Führer” mit Helge Schneider und Ulrich Mühe anzusehen.
Wer sich vielleicht bereits den Trailer angeschaut hat, mag einen kleinen Einblick in den Film bekommen. Der Trailer kann allerdings sehr falsch interpretiert werden. Ludwig meinte beispielsweise, so wie er den Trailer vestanden hätte, habe Hitler Potenzprobleme, bei deren Behebung ihm ein Jude helfen sollte.
Tatsächlich ist die Handlung ausgerichtet auf eine Rede, die Hitler am Neujahrstag zur Motivierung der Massen halten soll. Da er aber selbst vollkommen deprimiert und demotiviert ist, muss er professionell betreut werden. Der beste für diese Arbeit ist der ehemalige Schauspieler und KZ-Häftling in Sachsenhausen, Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe).
Er wird in die Reichskanzlei gebracht und beginnt mit Adolf Hitler (Helge Schneider) ein Training, welches ihn auf die Rede vorbereitet werden soll.
Hitler wird in diesem Film dargestellt als zerstörter Mensch, der eine schwere Kindheit hinter sich hatte, und eigentlich nicht genau weiß was er tut. Die Fäden werden im Hintergrund von Goebbels und Himmler gezogen, die ein Attentat auf den Führer planen, um selber das Reich in die Hände zu nehmen.
Hitler wird in diesem Film oft recht bemitleidenswert dargestellt. Von seinen Ministern verraten, von seinem Vater geschlagen plagen ihn persönliche Probleme.
Das ist einerseits ganz lustig, andererseits weckt es immer die Frage: Darf man das? Ich hätte diese Frage erstmal verneint.
Die Geschichte und die Taten Adolf Hitlers sind zu schlimm, sind zu grausam, um sie zu verharmlosen.
“Ich will diesen zynischen, psychisch verwahrlosten Menschen nicht die Ehre einer realistischen Darstellung gewähren.”
Anmerkungen von Regisseur Dani Levy.
Die Taten Adolf Hitlers werden in diesem Film jedoch nicht verharmlost. Nicht die Rede ist das eigentliche Thema des Films, es ist die Geschichte des Juden Adolf Grünbaum und sein innerer Zwiespalt: Hitler töten und mit der eigenen Familie untergehen? Oder alle Befehle willig auszuführen?
Mehrfach steht er kurz vor der Ermordung, wird jedoch immer wieder aufgehalten oder stoppt sich selbst. Letzlich möchte er nicht über das Leben eines Menschen entscheiden, auch wenn er noch so grausam war.
Der Film enthält sowohl dramatische Aspekte als auch viele lustige Momente. Da ist das goldene Hakenkreuz über dem Bett des Führers, oder die Affäre Goebbels mit seiner Sekretärin oder das immer gleiche Grüßen der Wachen.
Ich fand den Film ziemlich gut, habe ihn aber unter den obengenannten Vorbehalten gesehen, und war letzlich von der bemitleidenswerten Darstellung Hitlers unangenehm berührt.
Wer diese und andere Fragen beantwortet haben will, findet auf FAZ.net ein gutes Interview mit Dani Levy, dem Regisseur des Films.
Links zum Thema:
Mein Führer – Die Seite zum Film
Interview in der FAZ mit Dani Levy
Dr Russ, dr Barrt, dr Föhrer: “Mein Führer” im Hitlerblog